5.2 Die Juden in Beridenbach, Juni 05 Feldfrevel u. Strafen – Norbert Nossek
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Der Feldfrevel
Auszüge aus den Unterlagen über Feldfreveldelikte in den Jahren 1842 bis
1857, in denen jüdische Ortsbürger involviert waren.
Allgemeines :
Der Feldfrevel war in Zeiten bitterer Armut ein ernstes Thema. Man sollte
bedenken, daß die Menschen, besonders in unserer unfruchtbaren Gegend, auf
jede Kartoffel und auf jedes Büschel Gras angewiesen waren. So wurden, wie
wir heutzutage meinen, auch die kleinsten Verstöße in Strafe gestellt und
hart geahndet. Zur Anzeige kamen die unterschiedlichsten und kuriosesten
Vergehen, von denen ich hier einige Auszüge aus dem Großherzoglichen
Ministerium des Inneren und der Justiz vorbringe. In der Regel ist die
Eintragung der Schadenshöhe in “kr.” Kreuzer angegeben. Der besondere
Umstand bei jüdischen Bürgern war der, daß ihr Sabbad am Samstag war und
sie trotzdem an dem christlichen Sonn- und Feiertagen die Sonntagsruhe
einhalten mußten. Mit scharfen Augen überwachte dies der Flurschütz, der
die Sünder, wenn er sie auf frischer Tat ertappte, sofort stellte und zur
Anzeige brachte.
5.5.1842 Jonas Suntheim Sohn Jacob wurde betroffen, daß er am
Himmelfahrtstag auf der Elschenwiese einen halben Korb voll Kraut zum Salat
gerupft hat, auf Senner Müllers Wiese. Friedrich Senner, Schaden 2 kr.
12.9.1842 Jost Seibel 2. Tochter Charlotte hat auf dem Hofacker tags in den
Gelbrüben des Daniel Herzberg ¼ Last Unkraut gerupft. Daniel Herzberg
Schaden 2 kr.
13.4.1843 Katharina Weigershaußen, Magd des Daniel Herzberg, ist der
Christian Feurings Witwe durch die Wiese gegangen. Christian Feurings Witwe
Schaden 6 kr.
13.8.1843 Moses Sonneborn seine zwei Söhne, Keiner und Maier, sind unter
dem Gottesdienst vor dem Geweidige dem Bürgermeister Schmidt in Erbsen
gewesen. Haftbar Vater. Schaden 15 kr.
15.9.1843 Herz Frank von Lahnhausen, Königreich Preußen, hat mittels durch
treiben einer Herde Vieh an der Frucht und Kartoffeln durch zwei Stück
Rindvieh Schaden thun lassen. Der Schaden ist durch ein Taxator abgeschätzt
worden, für den Herz Frank zu 2 fl. (Gulden) 20 kr. und da er ein
Ausländer war, so hat man die Strafe nach § 59 des Feldstrafengesetzes mit
2x , also 4 fl. 40 kr. deponieren lassen, das Pfandgeld und Gerichtskosten
ist aber übersehen, der Schütz steht auch davon ab, die übrigen Kosten
für Taxator und Gendarmen sind gleich berichtigt. Schaden Johs. Schmidt 2.
45 kr., Bgmstr. Schmidt 25 kr., Johs. Achenbach 1. 15 kr., Christian Becker
30 kr.,
31.3.1844 Moses Sonneborn Sohn, Heinemann, hat auf den Sonntag Palmarum mit
einer Ziege in dem Garten des Heinrich Reitz 2. gehütet und 2 Zwetschen
Bäumchen abfressen lassen. Der Vater haftbar. Schaden 15 kr.
7.8.1844 Joseph Sonneborn sind in seinen Erbsen am Hintal 5 Stück
Wucherblumen gefunden worden. Pfarrer Beisenherz desgleichen 4 Stück in der
Wallstadt.
Daniel Sonneborn in der Wallstadt 6 Stück Wucherblumen auf seinem Acker
gefunden worden. Friedrich Sinner desgleichen 5 Stück auf dem Acker vorm
Hausberg.
22.7.1845 Isack Löwenstein seinem Acker am Reibertsloh wurden 3 Stück
Wucherblumen gefunden. Feist Sonneborn seinem Acker vor der Ubricht 4 Stück
Wucherblumen.
24.7.1845 Herz Stern auf dessen Acker hinterm Altweg wurden 9 Stück
Wucherblumen gefunden.
Eine Erklärung zu dem Begriff “Wucherblumen”, denn was hat das Aufkommen
dieser Pflanzen mit anzeigewürdigem Feldfrevel zu schaffen ? Bei diesen
Anzeigen muß unterstellt werden, daß eine natürliche Ansiedlung der
Pflanzen auf den bestellten Saatgrundstücken durch Wind, Wild und Vögel, in
jedem Fall ausgeschlossen wurde. Als Urheber des Aufkommens konnte nur ein
Zeitgenosse in Frage kommen, der durch Ausbringen von “Wucherblumen”
(Pflanzen oder Samen) dem Besitzer des betroffenen Grundstücks spürbaren
Schaden zufügen wollte.
5.10.1845 Aron Sonneborn seine Magd hat auf Sonntag um 2 Uhr 5 Stück Kohlrabe
im Feld geholt und öffentlich durch den Ort getragen.
2.9.1849 Meier Sonneborn hat am Sonntag unter der Predigt im Garten Bohnen
gepflückt. Eine Strafe ist hier nicht verzeichnet, ob das Verfahren wegen
Geringfügigkeit eingestellt wurde ??
Die Aufzeichnungen enden am 31.7.1857 mit dem Eintrag :
Lövi Herzberg Tochter und Magd haben in der Niemandswiese Kirschen zum
Essen entwendet. Georg Thomä Schaden 6 kr.