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Kulturscheune Holzhausen

Silberg stellt sich vor

Ein kleiner Ausflug in Historie und Geographie

Zusammenfassung der Dorfgeschichte bis 1989

„Ein trauter Ort im Hinterland.“ So heißt es im Silberg-Lied, das uns zum 650. Geburtstag im Jahr 1989 von Wolfgang Lüderitz (M) und Erich Ronzheimer (T) gewidmet wurde.

Und genau so liegt er da:

 


Im Quellgebiet des Schwindelbaches auf einer Höhe von etwa 340 m über dem Meeresspiegel im Hessischen Hinterland, an der Grenze zum Breidenbacher Grund. An der anderen Seite schließt Silberg an Dautphe und Hommertshausen an. Das bedeutete: Gleiches Kirchspiel, gleiches Amt, gleiches Erbrecht und nur unwesentliche Abweichungen im Dialekt.

Der Ort ist umgeben von waldbedeckten Höhenzügen, die in nördlicher Richtung bis auf über 500 m ansteigen. Silberg befindet sich im nördlichen Lahn-Dill-Bergland an einem Südhang. Es besitzt ein typisches Mittelgebirgsklima. Straßen führen nach Quotshausen, Hommertshausen und Dautphe.

 


 


Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte im Jahr 1339:

Am 16. Juni 1339 belehnte Graf Heinrich I. von Nassau-Dillenburg die Gebrüder Wiederold und Arnold von Hohenfels unter anderem auch mit dem Zehnten zu Sulberg. So war die damalige Schreibweise; sie änderte sich im Laufe der Jahr-hunderte über Solberg (1423), Sulburg (1456), Sülbergk (1677) bis zum heutigen Silberg.

Dieser Name stammt nicht, wie man vielleicht denken oder wünschen mag, vom Silber, das es hier gibt, sondern vielmehr von Sulburg = Burg an der Wälzlache, in der sich das Wild zur Abkühlung zu wälzen pflegt. Eine andere Deutung bezieht sich auf den alten Flurnamen „Sil“; der ursprünglichen Bedeutung ist man sich allerdings heute nicht mehr bewusst.

Das Wappen des Dorfes besteht aus drei Elementen:

Dem roten Flügelpaar  - dies ist ein Hinweis auf das Wappen
der Herren von Hohenfels, die
jahrhundertelang eine maßgebliche       



Rolle spielten,                                        
verbunden mit
einem grünen Dreiberg  - dieser verweist auf den zweiten Teil des Ortsnamens
belegt mit
einem silbernen Kleeblatt als Hinweis auf die landwirtschaftliche Betätigung der Bewohner.

Hinweis auf eine ältere Existenz des Ortes könnte ein Grabfund sein, der 1962/63 auf dem Anwesen von Heinrich Gerlach gemacht wurde. Es handelte sich um eine irdene Schüssel in einem Doppelgrab und Reste einer dicken Bruchsteinmauer. Die Grabfunde sind leider nicht mehr vorhanden, so dass das tatsächliche Alter auch leider nicht mehr bestimmt werden kann.

Ackerterrassen, am Südosthang des „Alteberges“ entdeckt und wissenschaftlich untersucht, bezeugen, dass sich hier eine Siedlung befand, die während der Wüstungsperiode zwischen 1350 und 1500 verlassen wurde.

Silberg hat eine wechselvolle Geschichte, aber es lag nie, mit Ausnahme der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts, im besonderen Interesse der Herrschaft adeliger Grundherren. Und es ist nicht ausdrücklich mit irgendwelchen Besonderheiten versehen, die es von den Nachbarn abgehoben hätten.

Silberg gehörte als Teil des Gerichts Dautphe im Amt Biedenkopf bis 1567 zur Landgrafschaft Hessen, von 1567 bis 1604 zu Hessen-Marburg. Von 1604 bis 1627 war die Vorherrschaft über das Amt Biedenkopf zwischen der Landgrafschaft Hessen-Kassel und der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt strittig. Von 1627 bis 1806 gehörte Silberg zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, nach 1806 zum Großherzogtum Hessen und ab 1866 zur preußischen Provinz Hessen-Nassau.

Heute gehört der Ort zur Großgemeinde Dautphetal im Landkreis Marburg-Bieden-kopf, die im Rahmen der hessischen Gebietsreform am 01.07.1974 durch den Zusammenschluss von zwölf vormals eigenständigen Dorfgemeinden entstand.

Silberg war ein Bauerndorf. Ursprünglich bestand der Ort aus drei Höfen, dem Liebe-Hof, dem Alt-Hof und dem Gersten-Hof. Diese gehörten den Herren von


 
Hohenfels und waren als Lehenshöfe verpachtet. 1593 waren 10 Familien ansässig. 1816 bestand das Dorf aus den Familien von 21 Ortsbürgern und 6 Beisassen; das waren keine eigentlichen Gemeindeangehörigen, sondern Bürger ohne Grund-besitz. Erst durch die Hessische Gemeindeordnung von 1821 bekamen alle Bewohner gleiches Recht, das Ortsbürgerrecht.

Bürgerrecht war Bürgerpflicht. Jeder trat für seinen Ort und seine öffentlichen Aufgaben ein, z. B. Übernahme öffentlicher Ämter, Hilfe bei allgemeiner Gefahr oder Reinigung der Dorfbrunnen.

Das Dorf wuchs nur langsam. 1799 lebten hier 113 Einwohner, 1910 waren es 292, 1973 zählte man 444 und heute sind es 450. Silberg ist ein geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss. Kern der heutigen Siedlung ist das ursprüngliche kleine Bauerndorf; im Mittelpunkt befinden sich das Dorfgemeinschaftshaus und die Kapelle. Von hier aus erweitert sich der Ort nach allen Seiten in locker gegliederter Bauweise. In den letzten Jahren des 2. Weltkrieges wuchs die Einwohnerzahl durch Evakuierte und nach dem Krieg durch Heimatvertriebene stark an, was dazu führte, dass ab 1950 eine rege Neubautätigkeit in den Randgebieten entstand.

Alle Kriege im 17. und 18. Jahrhundert
richteten auch in Silberg großen Schaden

Ehrenmal Silberg


an. Zudem wütete mehrmals die Pest und
forderte ihre Opfer. Und auch die beiden
Weltkriege verschonten die Silberger
nicht. Etliche Gefallene und Vermisste
waren zu beklagen; ihnen zu Ehren
wurde am 13.07.1958 das Ehrenmal am
Friedhof eingeweiht.

Früher waren die Bewohner nicht freie Eigentümer ihrer Grundstücke und konnten auch nicht frei über ihre Arbeit und Wirtschaftsführung verfügen. Der Landgraf besaß alle „Hochheiten“. Das bedeutete auch, dass die Silberger diverse Abgaben zu entrichten hatten, z. B. den Feld- oder Dorfzehnt, die Soldatensteuer, Weinfuhr-geld oder Schreibegeld. 1811 wurde die Leibeigenschaft aufgehoben (Bauern-befreiung), Fronden und Reallasten wurden beseitigt. Danach stiegen die land-wirtschaftlichen Erträge durch fortschrittliche Maßnahmen, wie Umwandlung von Weiden in Ackerland oder Anbau von Hackfrüchten. Die Flurbereinigung 1940 führte zu einer besseren landwirtschaftlichen Nutzung der Flächen und gleichzeitig zu einer Förderung des Wegebaus.

Durch die Ansiedlung von Industriebetrieben im Dautphetal änderte sich die Struktur der Landwirtschaft. Tagelöhner arbeiteten nun in der Industrie, ebenso Kleinbauern, die so zu Nebenerwerbslandwirten wurden. Und die Landwirte wirtschafteten nun rationeller durch neue landwirtschaftliche Maschinen. Seit 1950 schrumpft die Land-wirtschaft, weil die sich stark ausdehnende Industrie immer mehr und sichere Arbeitsplätze mit steigenden Einkommen bietet.

Kuhabtrieb Silberg

Silberg galt als Dorf der Milch und guten Vieh-
Rassen. Das entstand durch die systematische
Aussonderung der besten Rinder der Vogels-
berger Rasse. Silberger Landwirte erhielten
Auszeichnungen mit hohen Preisen und einzelne
Zuchttiere wurden sogar in afrikanische Staaten
verkauft.

 

Der Wald hatte eine besondere wirtschaftliche Bedeutung. Er diente als Waldweide für das Vieh; das Holz wurde zum Hausbau, für Gebrauchsgegenstände sowie zum


 

Heizen und Kochen verwendet. Köhler, Lohgerber und Pottaschesieder fanden im Wald ihre Erwerbsgrundlage. Und nicht zuletzt diente der Wald als Wasserspeicher, zur Erholung und für die Jagd.

Schon 1562 wurde Kupfererzbergbau betrieben. Seit 1615 wurde in der Grube Schwarzenstein Kupfererz abgebaut, welches bis Mitte des 17. JH in der Schmelz-mühle in Friedensdorf verhüttet wurde. In der Zeit von 1731 bis 1771 förderte man aus fünf Schächten hochwertiges Erz, aus dem die Breidenbacher Kupferhütte 923 Tonnen Kupfer gewann. Um 1780 gab es eine Krise im Kupferbergbau. Alte Berichte erwecken den Eindruck, dass einerseits die Gruben erschöpft, andererseits aber noch viele Erzvorkommen vorhanden seien, jedoch das Kapital für eine Instandsetzung der Gruben fehle.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war die Kupfergrube Schwarzenstein mit den beiden Stollen „Alter Ludwig“ und „Neuer Ludwig“ wieder in Betrieb, nach einem Teileinsturz 1816 jedoch nicht mehr befahrbar. 1817 sollten die Arbeiten wieder fortgesetzt werden und 1828 fand man günstige Erzvorkommen, aus denen die Breidenbacher Kupferhütte Kupfer mit einer Reinheit von 25 % gewann. Um 1830 war es endgültig vorbei mit dem Kupferbergbau in Silberg, nach 40 Jahren Blüte und 60 Jahren „Dahinkrebsen“. Zu Hochzeiten arbeiteten in den Gruben 200 Bergleute in drei Schichten. Im Januar 1842 wurden die Kupfergrube in Silberg und die Kupferhütte zu Breidenbach versteigert.

Um 1850 baute die Carlshütte am Schwarzenstein Brauneisenstein mit einem Eisengehalt von 25 bis 35 % ab. Am Hundskopf schürfte man in der Grube „Flora II“ nach Schwefelkies. Am 01.08.1918 wurde der Betrieb wieder aufgenommen, da infolge des 1. Weltkrieges ein Rohstoffmangel herrschte. Ende Oktober 1919 wurde jedoch der Betrieb wieder eingestellt, ohne dass eine Förderung stattgefunden hätte.

Der Bergbau bedeutete eine Umwälzung für das ganze Dorf. Die Bevölkerungszahl stieg, die Kirche bekam eine Uhr, um den Schichtbeginn anzuzeigen. Der wirtschaftliche Aufschwung brachte den Leuten jetzt Bargeld, was bis dahin immer knapp war.

Heute ist der Bergbau, der 400 Jahre in und um Silberg betrieben wurde, versiegt und nur alte Flurnamen weisen noch darauf hin.

In Silberg hat das Handwerk Tradition. Durch den Holzreichtum entwickelten sich Berufe wie Wagner, Stellmacher, Böttcher, Zimmermann oder Schmied. Durch die Schafzucht und den Hanf- und Flachsanbau gab es Stricker, Spinner, Weber und Tuchmacher. Die Gegenstände des täglichen Bedarfs wurden im Hausgewerbe hergestellt. Diese Handwerke verloren ihre Grundlage, als die Industrie vermehrt billigere Waren anbot. Trotzdem gab und gibt es auch immer noch Handwerk in Silberg.

Auch ein Lebensmittel- und Textilgeschäft ist immer noch ansässig und Industrie und Dienstleistung gab und gibt es auch. Zum Beispiel erlangte Silberg ab 1962 Bekanntheit durch die Wohnwagen, die die Firma Continent Fahrzeugbau GmbH hier herstellte.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewann der Fremdenverkehr wirtschaftliche Bedeutung. Der besondere Charakter der Landschaft und die freundliche Art der Silberger führte zur Entwicklung einer kleinen Sommerfrische. 1902 verbrachte die 1892 geborene, spätere Charakterdarstellerin Lina Carstens, u. a. bekannt aus dem Film „Wir Wunderkinder“ oder der TV-Serie „Der Bastian“, zusammen mit ihrer Schwester Luise in Silberg ihre Ferien. Es gab drei Privatpensionen, eine Gast-wirtschaft und bis zum 1. Weltkrieg auch die Pension „Waldeslust“. 1964 wurde das Dorf als Erholungsort vom Land Hessen staatlich anerkannt. In den 1960er Jahren nahm der Ort viermal am Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ teil und errang innerhalb des Bezirkes mehrere Erfolge. Und 1964 war auch der Höhepunkt mit 47 Gästen und 988 Übernachtungen. Mittlerweile gibt es nicht einmal mehr eine Gastwirtschaft.

Ursprünglich verband der „Kirchpfad“ Silberg mit Dautphe, Feldwege führten nach Hommertshausen, Wolzhausen und Quotshausen. 1927 und 1935 wurden die Wege zu festen Straßen ausgebaut, 1965 bekamen sie einen Teerbelag. 1971 wurden die Straßen im Ortsbereich sowie nach Dautphe und Hommertshausen ausgebaut.

1952 fand Silberg Anschluss an die Omnibuslinie Frechenhausen - Biedenkopf. Die guten Verkehrsverbindungen bestehen heute jedoch nicht mehr. Lediglich der Schulbus fährt noch nach Dautphe und Biedenkopf. Wer auf den öffentlichen Personennahverkehr angewiesen ist, muss das Anrufsammeltaxi bestellen.

Im Mittelalter war Silberg auch eine Zollstation. 1800 gab es im Dautphetal die erste Post; zweimal wöchentlich wurden Postsendungen von Gießen nach Battenberg gebracht. Ab 1853 gab es einen Landzustelldienst zu den Gemeinden. Ab 1930 erfolgte die Postverteilung über das Postamt in Biedenkopf, Silberg erhielt eine Postagentur mit eigenem Zusteller. Das ist aber mittlerweile auch Geschichte, die nächste Poststelle befindet sich nun in Dautphe. 1910 erhielt Silberg den ersten Telefonanschluss.

Schwimmbad Silberg

1954 wurde ein Schwimmbad (25 * 10 m) erbaut.
Damals gab es im ganzen Umkreis noch keine
Badeanstalt. Der geforderte Einbau einer Umwälz-
anlage, um den hygienischen Vorschriften zu         

entsprechen, scheiterte an den finanziellen
Möglichkeiten, so dass der Badebetrieb in den
1960er Jahren eingestellt werden musste.
Heute beherbergt es Fische und dient
als Feuerlöschteich.

In den Jahren 1955 und 1956 enstand das Dorfgemeinschaftshaus mit viel Eigen-leistung der Silberger Einwohnerschaft, erbaut im Rahmen des Programmes zur sozialen Aufrüstung des Dorfes. Die Kosten beliefen sich auf 182.000 DM. Feierliche Einweihung war am 13.10.1956. Das DGH enthielt u. a. eine Tiefgefrier-anlage, eine Wäscherei mit Heißmangel, eine öffentliche Badeeinrichtung und einen Gemeinschaftsraum, der 1972 einen Anbau erhielt. Dieser Gemeinschaftsraum beinhaltete eine Bücherei, einen Fernseher und auch zeitweise einen Kindergarten, dem auch der damalige Bundeskanzler Kurt-Georg Kiesinger mal einen Besuch abstattete.

 


Das Gemeindebackhaus, in dem die Haushalte in früherer Zeit im Abstand von zwei bis drei Wochen ihren Brotbedarf backten und das auch Treffpunkt zum Austausch von Neuigkeiten war, musste 1969 dem Feuerwehrgerätehaus weichen.

Früher entsprach die kirchliche Gliederung auch der politischen und gerichtlichen. Der Sitz des Kirchspiels war in Dautphe. Jedoch besitzt auch Silberg eine Kapelle: Eine 1712 erbaute rechteckige Fachwerkkapelle mit sechseckigem Dachreiter. Bis 1908 wurden dort auch kirchliche Handlungen vorgenommen.

Die Fachwerkkapelle war einem schnellen Verfall ausgesetzt. Das beruhte vor allem auf die angrenzende Wohnhaus-Bebauung mit höher gelegten Hofflächen und darauf, dass das Kirchlein keine Gründung hat, die untersten Schwellen also direkt auf den Boden gelegt wurden. Dadurch standen die Schwellen und Stiele im Boden und verfaulten rasch. Außerdem beschädigte die dicht neben der Kirche stehende Kastanie die Schieferdeckung, so dass es hinein regnete, und die Wurzeln stießen in das Innere der Kirche vor und beschädigten zusätzlich die faulenden Schwellhölzer. Der „Förderkreis Alte Kirchen e. V.“ ermöglichte eine Restaurierung,

Alte Kirche Silberg


bei der beträchtliche Eigenleistungen seitens des Verschönerungsvereins erbracht wurden.

Heute wird das Kirchlein ab und an wieder
für besondere Veranstaltungen genutzt.
Die kirchlichen Handlungen in Silberg finden     

Vereinsheim Silberg


jedoch im Vereinshaus statt, welches 1908
dafür errichtet wurde.


Sicherlich ist die Kapelle aber nicht die erste Silberger Kirche. Bereits 1677 ist von einer verfallenen Kapelle in Silberg die Rede.

Früher wurden die Toten bei der
Mutterkirche in Dautphe bestattet.
Gesundheitspolizeiliche Gründe
führten dazu, dass 1814 ein eigener

Friedhofskapelle Silberg


Friedhof „Am Eicheloh“ angelegt
wurde. 1973 wurde mit großer Eigen-
leistung eine Friedhofskapelle errichtet.

 


Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts waren alle Silberger der evangelischen Landeskirche angehörig. Dann traten einige Familien aus und schlossen sich den Evange-lischen Christen ohne Sonderbekenntnis und 1946 der Freien Evangelischen Christengemeinde an. Nach dem 2. Weltkrieg kamen durch die Heimatvertriebenen auch Katholiken in den Ort.

Die Zeit der Reformation war der Beginn des Schulbetriebes. 1574 hatte der Pfarrort Dautphe eine eigene Schule für das ganze Kirchspiel. Gelehrt wurden lesen, schreiben, rechnen, singen und Religion. 1790 entstand in Silberg durch eine Stiftung der 22 Silberger Bürger eine Freischule. Das war etwas Besonderes, denn der Schulbesuch war für die Kinder dieser Bürger kostenlos. Auch die Kinder der Bergleute waren schulgeldfrei, da die Gewerkschaft freie Kuxe (= Anteilsscheine am Bergwerk) stiftete. Bürger ohne Grundbesitz (Beisassen) und neue Ortsbürger mussten jedoch für ihre Kinder Schulgeld zahlen.

Die Schulordnung von 1733 sah eine Schulpflicht von 8 Jahren vor. Tatsächlich war es aber oftmals so, dass die Kinder zu Hause und auf dem Feld helfen mussten oder sich, wenn sie schon älter waren, als Mägde oder zur Arbeit verdingten. Dies und auch die oftmals mangelnde Ausbildung der Lehrer selbst führte dazu, dass viele Schüler nicht oder nur unzureichend schreiben konnten.

Von 1847 bis 1887 gab es die Doppelschule Silberg-Hommertshausen. Das lag nicht etwa an zu geringen Schülerzahlen oder an pädagogischen Gründen, sondern hatte durchaus einen wirtschaftlichen Hintergrund, da die Gemeinde durch die Krise im Kupferbergbau verarmte. Vormittags wurde in Hommertshausen Unterricht erteilt, nachmittags in Silberg. Ab 01.02.1887 gingen die Silberger Kinder nach Hommertshausen zur Schule.

Am 01.11.1887 wurde der Schulverband aufgelöst. Die Gemeinde Silberg kaufte ein Wohnhaus und baute dieses zur Schule aus. 1910 gab es 70 Schüler. 1911 wurde ein neues Schulhaus mit Lehrerwohnung für die neue einklassige Volksschule erbaut und am 25.10.1912 seiner Bestimmung übergeben. 1962 bis 1963 erfolgte ein Umbau nach neuzeitlichen Gesichtspunkten. Allerdings trat Silberg 1963 dem „Schulverband Dautphetal“ bei, so dass die Silberger Kinder samt ihrem Lehrer Dieter Carow 1968 an die Mittelpunktschule Dautphetal umzogen. Die letzte Einschulung in die Silberger Schule fand 1967 statt.


 
Das Gebäude wurde weiterhin für schulische Zwecke genutzt: Von März 1968 bis Ende 1970 befand sich darin eine Sonderschule für praktisch Bildbare. Danach übernahm der „Verein Lebenshilfe für das geistig behinderte Kind“ das Schulhaus als „beschützende Werkstatt“ und nutzte es bis 1987.

Bis 1820 stand der Schultheiß der Gemeinde vor; er vertrat das Recht des Landes-herrn gegenüber der Dorfgemeinde. Der Gemeindevorsteher war der Vertreter der Gemeinde gegenüber dem Schultheiß; gleichzeitig war er Beauftragter für die Gemeinde und Gemeinderechner. Durch die Großherzoglich-Hessische Gemeinde-ordnung von 1821 erhielten die Dörfer ein gewisses Maß an Eigenverantwortung und Selbstverwaltung. Der Ortsvorstand bestand nun aus dem Bürgermeister, einem oder mehreren Beigeordneten als Vertreter des Bürgermeisters und dem Gemeinderat. Diesen zur Seite standen mehrere Hilfskräfte, so z. B. Förster, Polizeidiener, Nachtwächter, Glöckner, Leichenbeschauer und 1922 sogar ein Maulwurfsfänger. Bis 1849 gab es eine gemeinschaftliche Bürgermeisterei mit Dautphe und Hommertshausen Die Hessische Gemeindeordnung von 1945 und 1952 führte zu einem demokratischen Prinzip gemeinsamer Verantwortung. Die tragenden Organe waren nun Gemeindevertretung und Gemeindevorstand. Ab 06.05.1952 bis zur Gebietsreform und zum Zusammenschluss zur Großgemeinde Dautphetal in 1974 war Heinrich Schmitt Bürgermeister von Silberg.

Soweit diese kleine Abhandlung bis ins Jahr 1989, als die Silberger vom 7. bis 10. Juli den 650. Geburtstag des Dorfes mit einem großen und schönen Fest feierten.

Mögen die bevorstehenden Festtage zur 675-Jahrfeier ein Anlass sein, sich mit dem Gestern, Heute und Morgen zu befassen und möge die Dorfgemeinschaft dadurch noch weiter zusammenwachsen – ganz im Sinne des Silberg-Liedes, wo es heißt:

„So mög auch Kind und Kindeskind an dir und der Natur sich freu‘n,
mit Frieden soll’n, die nach uns sind, und Freuden stets gesegnet sein.“

Anne Olbort

 

Ortsschild Silberg

 
Quellenverzeichnis:
Huth,Karl; Gemeindevorstand Silberg; Silberg in Geschichte und Gegenwart; 1974
Festausschuss Silberg; 650 Jahre Silberg in Geschichte und Gegenwart; 1989
Website der Gemeinde Dautphetal, 2014
Historisches Ortslexikon; Website des Landesgeschichtlichen Informationssystems Hessen; 2014
Fotos: Joachim Pohl, Erich Klein, Heiko Gerlach