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Kulturscheune Holzhausen

Mornshausen stellt sich vor

 

  

Luftbild Mornshausen

Mornshausen hat 775 Einwohner (Stand 2011). Es liegt im mittleren Abschnitt des Tals der Dautphe, ca. 2,5 km südlich von deren Mündung in die Lahn entfernt. In der Ortsmitte fließt die Dautphe in einer Höhenlage von ca. 270 m üNN, der höchste Punkt liegt im Bolzeberg mit ca. 520 üNN. Der Ort gliedert sich (von Norden nach Süden) in den Bereich des Gewerbegebiets um die ehemalige Molkerei, das Unterdorf, das Oberdorf  und die Amelose.

1. Anmerkungen zu Geologie und Geographie und ihre Bedeutung für die Ortsentwicklung

Mornshausen liegt in den Ausläufern des Rothaargebirges. Das Tal der Dautphe erstreckt sich im Bereich der Ortslage in Süd-Nord-Richtung. Die östliche Flanke des Tals wird von einer Diabasaufwölbung begrenzt, auch westlich liegt ein kleines Diabasvorkommen. Diabas oder Grünstein ist ein magmatisches Gestein, das als aufsteigende Magma nicht eruptiv an die Erdoberfläche gelangt ist, sondern in andere Gesteinsschichten eingedrungen ist oder als untermeerische Kissenlava gefördert wurde. Das Vorkommen ist mit einer starken Bruchtektonik verbunden. Im gesamten Gemarkungsbereich sind Schiefer und Grauwacken die dominierenden Oberflächengesteine.

Diese geologischen  Bedingungen führten einerseits dazu, dass es in der Gemarkung Mornshausen Erzvorkommen gibt, die bis zum Beginn des 20.Jahrhunderts im Bereich der Amelose (Grube Amalie am Goldberg) - allerdings nicht kontinuierlich - abgebaut wurden. Es handelt sich überwiegend um Gangerze (Kupfer, Blei, Silber). Die Grube war seit dem 18. Jahrhundert mehrfach in Betrieb genommen worden und wurde zuletzt stillgelegt, weil die Pumpen nicht in das Lage waren, das Wasser aus der Grube abzupumpen und in der Erzwäsche und Erzaufbereitung viel Erz verloren ging (nach Stobbe „Auf Erzsuche“, Haltern 1988). Spuren früheren Bergbaus finden sich auch am Eisensteinköppel, am Knottenrain und im Bolzeberg (Ockergruben).

Andererseits stellte der Diabasabbau bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts eine wesentliche Erwerbsquelle für die heimische Bevölkerung dar. Im heute aufgelassenen und  zum größten Teil verfüllten Steinbruch am östlichen Ortsrand wurden nicht nur Splitt und Grobschotter produziert, sondern auch Bau- und Pflastersteine behauen. Der Verein „Die Steeklopper“ erinnert an diese Tradition mit einer kleinen Ausstellung gegenüber dem Landhaus Werner. 

Steeklopper Mornshausen

Der Steinbruch lieferte nicht nur den dort tätigen Arbeitern ein Einkommen, auch die im Ort ansässigen Bauern verdienten sich bis zum Aufkommen von Lastkraftwagen ein Zubrot durch den Transport der Steinbruchprodukte. Ebenso fuhren viele Bauern mit ihren Pferdegespannen noch bis in die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts auch Grubenholz überwiegend nach Königsberg bei Rodheim-Bieber, Kreis Gießen. Die Fuhrmannstradition war dann auch entscheidend dafür, dass sich in Mornshausen mehrere Fuhrbetriebe entwickelten, von denen heute noch drei europaweit tätige Speditionen existieren.

Der oberflächlich dominierende Schiefer führt bei der Verwitterung zur Entstehung relativ saurer Bodentypen mit einem hohen Lehmanteil. Viele Bereiche der häufig vorkommenden Hanglagen sind mit eiszeitlichem Solifluktionsschutt bedeckt. Diese Ausgangsbedingungen, verbunden mit relativ hohen Jahresniederschlägen (ca. 800 mm/Jahr)  führten zur Entwicklung relativ karger Böden mit Bodenwerten zwischen 35 und 60. Lediglich in den Auenlagen gibt es vereinzelt Böden, die Bodenwerte von 75 – 80 erreichen. Da in Mornshausen seit dem Mittelalter eine Mischform aus Realteilung und Anerbenrecht existierte, konnten sich bis in die 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts einige mittelgroße Bauernhöfe erhalten, die einer Familie eine Existenzgrundlage boten. Heute besteht im Dorf noch ein landwirtschaftlicher Vollerwerbsbetrieb, die übrigen landwirtschaftlichen Betriebe werden fast ausschließlich im Nebenerwerb betrieben. 

Die Mittelgebirgslage mit relativ breiten Talzügen und die hohen Jahresniederschläge ermöglichten mit dem Aufkommen der oberschlächtigen Mühlräder Bau und Betrieb von Mühlen. Auf der Amelose existiert seit 1593 (nach Gerhard Schneider) eine – allerdings heute nicht mehr in Betrieb befindliche – Mühle.

2. Ortsgeschichte

Die urkundliche Ersterwähnung datiert aus dem Jahr 1279. In einer Schenkungsurkunde an das Kloster in Caldern wird ein Hermannus von Moroldishusen erwähnt. Damit ist zweifelsfrei Mornshausen bei Dautphe gemeint, denn jener Hermannus war „Zentgraf in Dautphe“. Der Ort war damals also schon so bedeutend, dass sich ein einheimisches Adelsgeschlecht danach benannte. Gleichwohl bestand der Ort schon früher – die Namensendung auf –hausen deutet auf die Fränkische Siedlungsperiode etwa ab dem 9. Jahrhundert hin. Diese Annahme wird auch dadurch gestützt, dass es sowohl in Dautphe, als auch in Gladenbach Martinskirchen gibt. Martin war der Schutzheilige der Franken.  Man darf allerdings auch von noch früherer Besiedlung ausgehen, denn sowohl der Flussname Dautphe (Dudaffa; die Endung

–affa für Bach oder Fluss stammt aus keltischer Zeit) als auch die südwestlich von Mornshausen auf dem Burgberg und den Eisenköpfen in der Gemarkung Hommersthausen nachgewiesenen keltischen Siedlungsspuren lassen dies annehmen.

Wesentlich für die Ortsentwicklung waren die Lehnshöfe: Im Unterdorf werden in einer älteren Chronik (zitiert nach Gerhard Schneider: Beiträge zur Ortsgeschichte von Mornshausen; siehe weiterführende Literatur) zwei Lehnshöfe (Heurisch = Häusers, Merje; Namens-nennung im Mornshäuser Platt) erwähnt, aus denen durch Hofteilung insgesamt sechs Höfe mit Leibeigenen entstanden (Heurisch, Jonkersch, Merje, Pales, Doweds, Sauersch). Im Oberdorf bestanden drei Lehnshöfe (Kirch, Wertz, Wiewisch) und auf der Amelose bestand sich ein weiterer Lehnshof, aus dem durch Teilung drei Gehöfte hervorgingen (Gehanns, Kuhrts, Reitz).

Die abgabepflichtigen Bauern sammelten die Naturalabgaben in der Zehntscheune, die im Bereich der heutigen Metzgerei Febel stand. Es gab noch weitere Bauernfamilien mit unterschiedlich großem Besitz und das dörfliche Handwerk und Kleingewerbe wie Schmiede, Schreiner, Stellmacher, Maler und Schuhmacher. Heute bestehen als Handwerksbetriebe noch die Schreinerei Jakobi sowie der Malerbetrieb Müller und die Baufirma Müller, Winkler, Olbert (Zuzug im Gewerbegebiet). Die Bäckerei Schmidt und die Metzgerei Febel sind relativ junge Handwerksbetriebe, denn noch bis in die sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts gab es in Mornshausen zwei Backhäuser und in fast allen Häusern fanden Hausschlachtungen statt.

Das 20. Jahrhundert brachte viele umwälzende Ereignisse mit sich: Im ersten Weltkrieg fielen 15 Mornshäuser Männer, der zweite Weltkrieg forderte 41 Opfer (vgl. Angaben auf dem Ehrenmal am Friedhof). In der wirtschaftlich schweren Zeit zwischen erstem und zweitem Weltkrieg wurde die Elektrifizierung Mornshausens durchgeführt, Wasserhochbehälter und Wasserleitungen gebaut, eine neue Schule errichtet und die Molkerei erbaut. Ab 1945 setzte ein starker Zuzug von Heimatvertriebenen ein, die überwiegend aus Ungarn, dem Sudetenland, Jugoslawien und Ostpreußen stammten. Mit den Flüchtlingen aus Ungarn und dem Sudetenland kamen auch die ersten katholischen Mitbürger in das bislang vollständig evangelische  Mornshausen. Die neu Hinzugekommenen wurden zunächst bei den einheimischen Familien untergebracht. Aber schon relativ bald entstanden in der Feldstraße („Siedlung“) und am östlichen Rand des Oberdorfes kleinere Eigenheime, die von den Neubürgern überwiegend in Eigenleistung errichtet wurden.  So entstand das heutige „Gerüst“ im Weichbild des Ortes. Neuere bauliche Entwicklungen sind dadurch gekennzeichnet, dass Baulücken zwischen Unter- und Oberdorf sowie zwischen Siedlung und Oberdorf geschlossen wurden und am Tannenweg ein neues Baugebiet erschlossen wurde.

3 Kirchliches Leben und Vereine

Mornshausen war ursprünglich ein rein evangelisches Dorf. Die heutige evangelische Kirche wurde 1963 errichtet.

Kirche Mornshausen

Bis zu diesem Zeitpunkt fanden Gottesdienste in einer Fachwerkkirche statt, die 1990 abgerissen wurde. Diese alte Kirche stand an der Einmündung der Kreuzstraße in die Straße Am Stoß. An die alte Kirche erinnert ein Platz, der den Grundriss der Kirche im Maßstab 1:2 verkleinert wiedergibt und zwei kleine Denkmalssteine beherbergt. Schon vor dem Bau dieser Fachwerkkirche im Jahr 1765 stand in Mornshausen eine Kirche, deren Standort allerdings nicht genau zu lokalisieren ist.

Die sozialen Umwälzungen des 19. Jahrhunderts führten u.a. dazu, dass Wanderarbeiter und reisende Händler aus dem Dorf ins benachbarte Siegerland zogen, um dort in den Erzgruben und Hüttenwerken zu arbeiten oder ihre Waren zu verkaufen. Dort kamen sie in Kontakt mit unterschiedlichen Bewegungen: Vereine und Organisationen der Arbeiterbewegung, Sport- und Gesangsvereine, aber auch Kontakte mit christlichen Gruppierungen, die im Zug der so genannten Erweckungsbewegung entstanden waren. Diese geistliche Bewegung war auch dadurch gekennzeichnet, dass sie Missionare und Bibelkolporteure in das hessische Hinterland schickte. Aus dem Kontakt mit den neuen geistlichen Bewegungen und dem Wirken der Missionare entstanden in unserer Region viele Freikirchen. In Mornshausen bestand etwa ab 1857 eine Hausversammlung, aus der sich später die Freie evangelische Gemeinde entwickelte. Die katholischen Einwohner haben im Ort kein eigenes Gotteshaus errichtet, sie werden kirchlich von der Gemeinde in Biedenkopf und der Filialkirche St. Hildegard in Dautphe mit betreut.

Aus dem Kontakt mit anderen Regionen entstand aber auch das Bedürfnis nach gemeinschaftsfördernden Elementen: Der Männergesangsverein Concordia Mornshausen – heute: Concordia Chöre - gehört in diese Reihe, ebenso wie der Fußballverein, heute TSV Mornshausen. Weitere derzeit in Mornshausen aktive Vereine sind die Freiwillige Feuerwehr, Naturschutzverein, Heimat- und Verschönerungsverein, die Steeklopper sowie der Angelverein.

Weiterführende Literatur:

Dieter Stobbe: Auf Erzsuche; Bode Verlag Haltern 1988

Gerhard Schneider: Beiträge zur Ortsgeschichte von Mornshausen; Veröffentlicht im Mitteilungsblatt der evangelischen Kirchengemeinde Dautphe in lockerer Folge ab 1993 bis 1995

Helmut Beaupain: Sie versammelten sich hin und her in den Häusern,

hgg von den Freien evangelischen Gemeinden Dautphetal 2007